Verträge

Nachfolgend geben wir einige Anregungen zu dem Thema, was in den Verträgen mit den Fotografen oder anderen Auftraggebern sinnvollerweise festgelegt sein sollte und was unerlässlich ist:
 
Einige wichtige Punkte müssen geregelt sein, sonst hat man keinen vernünftigen Vertrag und kann später eigene Ansprüche und Rechte nur schwer durchsetzen. Hierzu gehören einmal die Namen und die Anschriften der Vertragsparteien. Dann Zeit und Ort des Shootings. Gegenstand der Aufnahmen und natürlich das Honorar (inkl. oder exkl. Umsatzsteuer?).
 
Das Honorar ist ein wesentlicher Regelungspunkt in allen Model-Verträgen. Wichtig ist: Wer Honorar erhält, stimmt "im Zweifel" der Veröffentlichung zu. So steht es im Gesetz. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass Sie der gewerblichen Verwertung zustimmen, und auch nicht, dass der Fotograf die Bilder für Werbung usw. verwenden darf.
 
Das Honorar muß in der Höhe geregelt werden, wobei klarzustellen ist, ob es inklusive oder exklusive der Umsatzsteuer gezahlt wird, die Sie als Model selbst abführen müssen. In der Praxis hat sich zwar eingebürgert, dass in den Verträgen stillschweigend von einer Einbeziehung der Umsatzsteuer ausgegangen wird, dies ist aber keineswegs selbstverständlich. Jedenfalls dann, wenn Sie schon recht umfänglich als Model tätig sind, sollte dieser Punkt explizit geregelt werden. Welche Höhe angemessen ist, ist natürlich keine Rechtsfrage und kann ohnehin nicht allgemein beantwortet werden.
 
Der sog. Gegenstand der Aufnahmen verdient wie das Honoror besondere Beachtung. Wenn Sie den Fotografen gut kennen und ihm vertrauen, bedarf es nicht unbedingt einer expliziten Regelung. Allgemein muß aber vor dem Shooting klargestellt werden, wofür Sie überhaupt gebucht werden. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie für eine Fashionshow gebucht werden oder für Aktaufnahmen. "Das Model steht dem Fotografen für Werbeaufnahmen für Jeansbekleidung zur Verfügung" oder "Das Model erklärt sich bereit, erotische Aufnahmen von sich machen zu lassen" sind hier typische Klauseln. Bemühen Sie sich um eine klare Formulierung (zB. "Catwalk für die Modefirma ..., Vorstellung der Winterkollektion 2008" oder "Aktaufnahmen im Freien"). Wenn mehr verlangt wird, verhält sich Ihr Auftraggeber vertragswidrig. Sie brauchen nichts zu leisten, was nicht vorher im Vertrag festgelegt wurde. Vertragsänderungen sind zwar jederzeit möglich - aber nicht einseitig.
 
Auch über den Ort der Aufnahmen muß man sich verständigen - und zwar möglichst genau. "Fototermin ist der 01. Juli 2008 um 14.00 im Hirschpark. Fotograf und Model reisen auf eigene Kosten an" - das wäre eine typische Regelung. Es ist schon oft vorgekommen, dass Model und Fotograf sich verfehlt haben; insbesondere, wenn Aufnahmen im Freien geplant waren. Also verabreden Sie sich - und zwar im Vertrag - an einem leicht zu findenden Ort (z.B. am Hauptbahnhof Halle, Gleis 6). Wer nicht kommt, kann für den so entstandenen Schaden haftbar gemacht werden. Im Zeitalter des Handys sollte dieser Punkt allerdings keine große Rolle mehr spielen. Wenn Sie sich in einem Studio oder einer Agentur treffen, ist der Ort der Aufnahmen ohnehin klar.
 
Auch über die Reisekosten muß man sich Klarheit verschaffen - und zwar vorher. Als Model sind Sie selbständig. Das heißt, wenn nichts vereinbart ist, zahlt das Model die Kosten selbst. Die Reisekosten können dabei das Honorar sogar übersteigen. Deshalb: Sorgen Sie dafür, dass der Vertrag eine Klausel enthält, wonach Sie Reisekosten vom Bahnhof A zum Bahnhof B, 2. Klasse, erstattet bekommen. Bei Reisen mit dem Auto errechnen Sie sich den Weg über eine entsprechende Internetseite - so vermeiden Sie Streit über die tatsächlich gefahrenen Kilometer - und legen Sie eine Pauschale von z.B. 20 Cent/Km zugrunde.
 
Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn Sie zu einem Casting eingeladen werden. Ein Casting ist das, was sonst als Bewerbungsgespräch bezeichnet wird mit dem Unterscheid, dass der Auftraggeber Ihnen die Reisekosten in der Regel nicht ersetzt und gleich beim Casting gearbeitet wird. Trotzdem erhalten Sie in der Regel kein Geld. Castings sind per se nichts Unseriöses, werden aber manchmal mißbraucht. Da sollten Sie einen Personalbogen ausfüllen, mit dem Sie gleichzeitig auf die Geltendmachung Ihrer Persönlichkeitsrechte verzichten bzw. in die wie auch immer geartete Verwendung der von Ihnen erstellten Fotografien einwilligen. Es kann also sein, dass Sie Reisekosten hatten, stundenlang gewartet haben, fotografiert wurden - und Sie dann zwar von der Agentur nichts mehr hören, Ihre Bilder aber irgendwann irgendwo wiedersehen. Das ist unseriös.
 
Das sog. Recht am eigenen Bild ist das Recht, welches für Sie als Model das wichtigste Recht ist!
 
Eine übliche Klausel lautet: "Hiermit überträgt das Model uneingeschränkt und unwiderruflich dem Fotografen sämtliche Rechte am Bild insbesondere zur kommerziellen Nutzung (d.h. insbesondere für Werbe- und Publikationszwecke) aller Aufnahmen, und zwar zeitlich, räumlich, sachlich unbeschränkt, einschließlich der Veränderung auf digitalem oder sonstigem Wege."
 
Denn nur dann, wenn Sie dem Fotografen oder der Agentur die Erlaubnis erteilen, Ihre Bilder zu vermarkten, dürfen diese das auch tun. Das bezeichnet man als Kommerzialisierung des Persönlichkeitsrechts. Dies bedeutet aber auch: Wenn Sie ein Honorar erhalten haben, gilt Ihre Einwilligung zur Veröffentlichung "im Zweifel als erteilt". Das aber - und das ist auch vielen Fotografen nicht bekannt - bedeutet noch nicht unbedingt, dass die Bilder meistbietend verkauft werden dürfen oder gar in der Werbung verwendet werden können.
 
Wenn Ihnen ein Vertrag vorgelegt wird, legen Sie äußerstes Augenmerk auf diese Klausel. Die Formulierung entscheidet darüber, wo, wie lange, wann und in welcher Form Sie die von Ihnen gemachten Bilder wiederfinden können, egal ob im Internt oder im Print- oder TV-Bereich, egal ob auf der Seite eines Fotoamateurs oder in der Werbung für eine 0900er-Nummer - dies alles ist Ihre Entscheidung; Sie allein können bestimmen, welche Befugnisse dem Fotografen oder der Agentur zustehen.
 
Oft lassen sich Fotografen und Agenturen auch das Recht auf digitale Bildbearbeitung übertragen. In diesem Zusammenhang muß Ihnen klar sein, dass Sie sich möglichweise in einem ganz anderen Zusammenhang wiederfinden können, was weniger für Fashionaufnahmen als für Aktbilder wichtig ist. In der Regel ist eine solche Klausel für Sie aber weniger bedenklich.
 
"Das Model erhält 10 Abzüge ihrer Wahl." Eine solche Klausel kann alles oder nichts bedeuten. Oft werden Abzüge für Sie als Model sogar auf das Honorar angerechnet, d.h. das Honorar ist verhältnismäßig gering, der Fotograf verspricht aber, Abzüge zu liefern. Das ist bei gegenseitigen Probeshootings nichts Ungewöhnliches. Dann kommt es aber vor, dass Fotografen behaupten, der Film sei kaputt gegangen, die Digicam habe nicht richtig funktioniert usw. Deshalb: Vereinbaren Sie eine Zeit (z.B. einen Monat nach dem Shooting), innerhalb derer der Fotograf zu liefern hat. Klären Sie die Grundlage ("Nach Wahl des Models. Das Model erhält hierfür die Kontaktabzüge für eine Woche zur Verfügung gestellt.") und auch das Bildformat - denn viel können Sie mit 9x13 Abzügen nicht anfangen, wenn Sie die Aufnahmen etwa für Ihr "Book" benötigen. Vereinbaren Sie eine Pauschale, wenn die Bilder nicht geliefert werden können, z.B. bei 10 Bildern eine Pauschale von 150 €.
 
Lassen Sie sich Nutzungsrechte für Ihre Eigenwerbung einräumen! Denn Sie wollen die Bilder für die Eigenwerbung verwenden; entweder in ihrer Sedcard oder in Ihrer Internetpräsentation. So gehen Sie sicher, dass der Fotograf nicht eines Tages Ansprüche gegen Sie stellt - immerhin ist er der Urheber der Bilder und hat daher eigene starke Rechte. Die Frage der Abzüge für Sie und der Nutzungsrechte durch Sie kann zusammen geregelt werden.
 
Um es kurz zu machen: Exklusivverträge gibt es in diesem Bereich nicht. Wenn Ihnen ein "Exklusivvertrag" angedient wird, ist dieser meist wirkungslos.
 
Soviel zu den typischen Vertragsklauseln. Selbstverständlich können noch zahlreiche andere Punkte in einem Modelvertrag geregelt werden. Wichtig ist hier immer: Studieren Sie den Vertragstext ausführlich und lassen Sie eigene Vorstellungen mit in den Vertrag aufnehmen.